Untergetaucht

Ich weiss, dass ich keine Angst haben muss. Aber der Angst ist das ziemlich egal – sie ist trotzdem da. Ich versuche mich zu entspannen, aber das klappt überhaupt nicht.

Tausend Gedanken flitzen  mir durch den Kopf.

„Was mache ich hier eigentlich? / Das ist doch absurd / OK, Jana, versuche es mal zu geniessen / Schau mal der Fisch da / Der ist doch schön. / Ja, das stimmt / Aber wieso ist der über mir? Fische waren bis jetzt immer nur unter mir. / Oh je, die Wasseroberfläche ist aber sehr weit weg. / Wie tief sind wir eigentlich? / Atme ruhig. / Bloss keine Panik bekommen. / Irgendwann ist es vorbei.“

Nach weiteren 30 Minuten im Gedankenkarussell war er tatsächlich vorbei: Unser erster Probetauchgang. War ich froh, wieder an der Wasseroberfläche zu sein und wieder Luft über die Nase einatmen zu können. Die letzte halbe Stunde war definitiv ein Erlebnis, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. 

Im Nachhinein lernen wir, dass die Art und Weise wie unser Probetauchgang ablief nicht ideal war. Wir sind sprichwörtlich ins Wasser gesprungen – immerhin war das Wasser nicht kalt. Als wir nach einer fünfminütigen Bootsfahrt zu einem kleinen Korallenfelsen neben den Tioman-Inseln erklärt bekommen, wie der „Einstieg“ ins Meer vom Boot aus abläuft, mache ich nur grosse Augen.

Wir sollen auf dem Rand des Bootes sitzend eine Rolle rückwärts ins Wasser machen? Wie Bitte? Viel nachdenken konnte ich allerdings nicht – ich sollte als erste diese Turnübung ausführen. Platsch. Gäbe es Haltungsnoten müsste der Punktrichter wohl die Karte mit der Note Vier hochzeigen. So eine Tauchermontur ist ziemlich schwer – sobald du dich auch nur ein bisschen nach hinten lehnst, gewinnt die Schwerkraft über deine Muskelkraft und schon bist du im Wasser. Micha und der Tauchlehrer folgen. Er merkt sofort, dass es eine starke Strömung gibt, signalisiert uns aber, dass wir uns keine Sorgen machen sollen. Nö, machen wir nicht. Denn noch wissen wir ja garnicht, was das unter Wasser bedeutet.

Aber der Reihe nach. Wir treiben also zunächst im Wasser. Der Tauchlehrer orientiert sich kurz und gibt uns das Zeichen, dass es nun nach unten geht. Alles ok? Alles ok. Wir signalisieren dies indem der Daumen und der Zeigefinger einen Kreis bilden sowie die anderen Finger gestreckt bleiben. Er nimmt uns beide am Schlafittchen und lässt die Luft aus unseren Tauchwesten, so dass wir theoretisch absinken. Praktisch tut sich kaum etwas – ich habe Auftrieb und schwebe kurz unter der Wasseroberfläche. Micha ist auch auf meiner Höhe. Ich muss schmunzeln: ertrinken ist garnicht so einfach. Aber wir wollen ja nicht ertrinken, wir wollen tauchen und auch dazu müssen wir nach unten. Da unsere Tauchwesten aber schon komplett leer zu sein scheinen, zieht und drückt uns der Lehrer recht schnell nach unten – zu schnell für Micha. Er signalisiert, dass er Ohrenschmerzen hat. Diese entstehen, wenn man zu rasant abtaucht und/ oder zu selten einen Druckausgleich für die Ohren macht. Besonders auf den ersten zwei Metern merke ich deutlich, dass unter Wasser viel mehr Druck als an der Wasseroberfläche herrscht. Und diesen Druck muss ich mit „Nase zu halten und sanft in die Nase hineinblasen“ ausgleichen. Jeder kennt das vom Fliegen. Die beiden tauchen also wieder ein bisschen auf, so dass der Druck auf Michas Ohren nachlässt und er nochmal einen Ausgleich machen kann.

Ich bleibe eine halbe Körperlänge unter ihnen und bemerke nun die Strömung. Wir treiben alle ganz schön doll in eine Richtung, ich allerdings ein bisschen schneller als die anderen beiden, da der Lehrer mit Micha im Gepäck professionell gegen sie anschwimmt. Ich weiss, dass ein Taucher nur die Beine benutzt und die Arme möglichst ruhig am Körper anlegt. Aber wie ist das mit dem theoretischen Wissen? Es nützt wenig, wenn ich es nicht auch umsetzen kann. Ich kann es gerade nicht und paddele und wedele mit allen Vieren wie Pfiffi, der kleine Schosshund, den ich zum sonntäglichen Bad in eine für ihn viel zu grosse Badewanne gesteckt habe.

Als es Michas Ohren wieder besser geht, drückt uns der Lehrer weiter nach unten. Er packt Michas Weste mit dem rechten Arm und meine mit dem linken Arm. Er bleibt stets über uns, so dass wir ihn nicht sehen. Wir schwimmen also im Dreiergespann einmal um den Korallenfelsen. Da dies unser allererster Tauchgang ist und wir keine Ahnung haben, was wir zu tun haben, kümmert sich der Lehrer um alles. Er regelt die Luft in unseren Westen, so dass wir je nach Bedarf ein bisschen mehr oder weniger Auftrieb bekommen. Er schaut auf die Anzeige, die kontrolliert wieviel Luft noch in unserer Flasche ist. Er kontrolliert die Tiefe.

Wir müssen nur mit den Flossen treten sowie atmen und…. natürlich: den Tauchgang geniessen, uns an all den bunten Fischen erfreuen. Ich nehme sie war, freue mich jedoch noch mehr darüber, dass ich tatsächlich Luft bekomme. Und ich denke.

Tausend Gedanken flitzen mir durch den Kopf. 

Zurück auf dem Boot fragt uns der Lehrer, ob wir nun den Tauchkurs machen wollen. Wir wollen das Erlebte jedoch erstmal sacken lassen und uns nach dem Mittag wieder melden. Wir entscheiden uns dagegen. Schnorcheln ist doch auch schön. 

Drei Wochen später stehen wir wieder vor einer Tauchschule. Diesmal sind wir auf den Perhentian-Inseln im Norden Malaysias. Wir fragen nach zwei Schnorchel-Sets zum Ausleihen und nach der Möglichkeit, einen Tauchkurs zu machen. Wenn sie Zeit haben und sie uns sympathisch sind, wollen wir es eventuell nochmal probieren. Sie haben Zeit und sie sind uns sehr sympathisch. Kim, unsere Tauchlehrerin kommt aus Holland und spricht perfektes Deutsch, so dass wir den Kurs sogar in unserer Muttersprache machen könnten. Dies alles sind gute Vorraussetzungen. Die nächsten vier Tage verbringen wir wie in einem Trainingslager – wir büffeln viel Theorie, machen Tests, die an die Fahrschulprüfung erinnern und lernen, das Wissen auch unter Wasser anzuwenden. Von Kim erfahren wir, dass man für einen Schnuppertauchgang viel besser vom Strand aus in Wasser geht. Das erspart dem Novizen die Rolle rückwärts ins Nass, garantiert ein langsames Abtauchen und verringert dadurch die Probleme mit den Ohren.

Bei den Tauchgängen, die wir im Kurs absolvieren, bin ich schon um einiges entspannter als bei dem Schnuppertag. Trotzdem gibt es Übungen, die mir schwer fallen und die ich nicht gerne mache, wie zum Beispiel freiwillig Wasser in die Taucherbrille einlassen, um dieses dann wieder loszuwerden. Beim ersten Mal mache ich es falsch, bekomme Angst und atme über die Nase einiges an Salzwasser ein. Das muss ich noch öfter üben. Schliesslich ist Wasser in der Brille eine Situation, die beim Tauchen häufig vorkommt.

Wo ist Micha?

Diese Übung fällt Micha überhaupt nicht schwer. Dafür braucht er ein bisschen länger, bis er sein Gleichgewicht unter Wasser kontrollieren und halten kann. Tiefes Ein-und Ausatmen, wie es von den Yogis immer so gebetsmühlenartig wiederholt wird, kommt unter Wasser garnicht gut an. Wenn Micha einmal tief einatmet, dann geht er unter Wasser ab wie Schmidt´s Katze – soll heissen, er flutscht wie ein Pfeil nach oben und weiss garnicht wie ihm geschieht.

So ein schnelles Auftreiben ist aus verschiedenen Gründen gefährlich. Während des Kurses lernt er unter Wasser flach zu atmen und sein grosses Lungenvolumen gezielt einzusetzen, um seine Tiefe unter Wasser zu verändern. Ein leichtes Einatmen und er steigt auf, ein bewussten Ausatmen und er sinkt ab.

Immer schön auf Augenhöhe mit den Fischen bleiben…garnicht so einfach.

Kim ist eine tolle Lehrerin. Sie hat Geduld wo es nötig ist und sie ist streng und verantwortungsbewusst in Situationen, die gefährlich sein können. Wir merken, das sie auch nach tausenden von Tauchgängen und sicher hunderten von Schülern noch selbst Spass an ihrem Beruf hat. Auch das schätzen wir sehr. 

Nach bestandener Prüfung. Ihr seht dem Schüler und der Lehrerin die Erleichterung an.

Nach fünf Tauchgängen haben wir alle Prüfungen bestanden und erhalten den Open Water Tauchschein. Doch Tauchen erfordert, genauso wie das Autofahren, viel Übung und Wiederholung, um Sicherheit und eine gewisse Routine zu bekommen. Der Schein ist erst der Anfang. Wir müssen noch einige Tauchgänge machen, bis wir die Unterwasserwelt wirklich geniessen können, aber wir haben nun zumindest unsere Eintrittskarte in diese völlig neue Welt.

Augen zu und durch, oder besser: Nase zu und runter. So sah es aus, als wir das Abtauchen und den Druckausgleich geübt haben.

In Malaysia schaffen wir es leider nicht mehr, diesen Schein auch zu nutzen. Wir wollen weiter nach Borneo, wo uns eine ganz besondere Verabredung mit einem knuffigen Landbewohner erwartet.

Das Tor nach Asien

…und meine Brücke in die Vergangenheit

Nach den gefühlt unendlichen Weiten in Australien erwartet uns nun nach neun Flugstunden genau das Gegenteil. Wir landen am späten Abend auf dem Changi-Airport, einem der modernsten Flughäfen der Welt.

Willkommen im Stadtstaat Singapur. Berlin ist flächenmässig grösser, aber sonst fällt mir spontan nichts ein, wo die deutsche Hauptstadt im direkten Vergleich noch vorn liegen könnte. Singapur befindet sich an der Südspitze der Malaiischen Halbinsel und verteilt sich auf über 50 Inseln, was ich als Besucher zunächst nicht bemerke und erst im Nachhinein auf der Karte gesehen habe.

Der Stadtname heisst übersetzt aus dem Sanskrit „Löwenstadt“. Das Wahrzeichen der Stadt, Merlion, ist ein Mischwesen aus Meerjungfrau (Mermaid) und Löwe (Lion). Dadurch, das sich das Stadtgebiet auf Äquatorhöhe befindet, sind die Tage und Nächte gleich lang, immer. Das ganze Jahr herrscht tropisch heisses Klima, also nichts für Freunde des Wintersports. Eine Pizza „Vier Jahreszeiten“ wurde mir hier nicht angeboten und würde trockenen Humor voraussetzen, den ich in Singapur und auch im späteren Reiseverlauf in Asien äusserst selten angetroffen habe.

Trotzdem ist die kulinarische Vielfalt in Singapur hervorragend und wie ihr seht, schmeckt es uns ausgezeichnet. Wenn wir nicht aufpassen, sehen wir bald so glücklich aus, wie der Mann in der Mitte.

Ähnlich wie in der Schweiz gibt es hier vier (jedoch zum Glück andere) Amtssprachen: Tamil, Chinesisch, Malaiisch und Englisch. Ich bin froh, das ich zumindest eine davon beherrsche. Noch entzückter bin ich, das wir 1. abgeholt werden, 2. diese Person fliessend deutsch spricht, 3. wir uns bereits kennen und 4. ich somit auch einen kleinen Einblick in den Alltag der Menschen in einem der reichsten und teuersten Länder der Welt erhalte.

Auch nach all den Jahren erkenne ich sie bereits von Weitem: Sie ist auffällig gross und sehr sportlich. Und Sie heisst auch Jana. Das erfordert bei uns allen Konzentration bei der persönlichen Ansprache. Die andere Jana, also Jana Lauren mit vollständigem Namen, lebt seit Mitte der neunziger Jahre in Singapur. Wir kennen uns seit 1984, als wir gemeinsam die siebte bis zehnte Klasse der Sportschule des Turn- und Sportclub Berlin besuchten. Anknüpfend an ihr früheres durchaus erfolgreiches Leben als Diskuswerferin (Wikipedia) ist Jana heute als Leichtathletik-und Wurftrainerin für Kinder und Jugendliche an verschiedenen Schulen tätig. Einmal besuchen wir sie bei ihrer Arbeit in einer Privatschule.

Im Osten nix neues: Ist die Trainerin mal kurz abgelenkt, wird schnell das Smartphone gecheckt.

Ich entdecke einen passabel aussehenden Wurfring mit Netzummantelung, stelle mich spontan hinein, mache eine Drehung und simuliere einen Abwurf. Die Beine zittern etwas, da ich nicht lang die Ausgangsposition halten kann. Bei der Drehung habe ich das Gefühl, mich von oben herab selbst in Zeitlupe zu betrachten. Nach einer kurzen Pause nehme ich all meine Kraft zusammen, drehe die Hüfte ein, ziehe den rechten Wurfarm nach und versuche meine Hand möglichst lang am imaginären Diskus zu lassen, bis ich nicht mehr kann und umspringen muss. Ein Bewegungsablauf, den ich in den Jahren von 1984 bis etwa 1990 geschätzt zehntausend Mal geübt habe. Er ist so verinnerlicht, das ich ihn morgens um drei Uhr schlafwandelt ausführen könnte. Ob mich meine Schulfreundin dabei gesehen hat, weiss ich nicht. Wenn ja, wäre sie sicher zu höflich gewesen, um mich auf diverse technische Verbesserungsmöglichkeiten hinzuweisen.

Drehrumbum

Wir treffen uns einige Male zum Essen oder im Café, reden über die grossen und kleinen Themen des Lebens.  Wir erfahren, das sie nach der Heirat mit James, einem chinesischstämmigen Hammerwerfer aus Singapur, dorthin umgezogen sowie eine Tochter und einen Sohn geboren und grossgezogen hat. Beide sind nun schon junge Erwachsene und gehen ihren eigenen Weg. Das sie als (europäische) Frau im Trainer-bzw. Couchmetier tätig ist, stellt in Singapur etwas Besonderes dar. Sie kann stolz darauf sein, was sie erreicht hat. Ich habe grossen Respekt vor ihrem Weg, den sie gegangen ist. Sie hatte ihren Mann und ihre Aufgabe, sonst Nichts, um sich in einer fremden Kultur und Sprache über 10.000 Kilometer fern der alten Heimat ein neues Leben aufzubauen. Die Vornamen aller Familienmitglieder beginnen übrigens alle mit J, worüber ich schmunzeln muss.

Im September findet in Berlin ein Klassentreffen statt. Jana organisiert das von Singapur aus. Ich werde in der Zeit in China unterwegs sein. Ich finde es grossartig, das sie das in die Hand genommen und organisiert hat. Es braucht immer einen, der die Verantwortung übernimmt und sich kümmert. Das ist wohl universell und heutzutage selbst für die Vorbereitung eines Treffens von vielen Teilnehmern am anderen Ende der Welt (sechs Stunden Zeitverschiebung) möglich.

Um einen Geschmack darauf zu bekommen, wie die Zukunft der Menschen in Ballungsgebieten aussehen könnte, scheint die Stadt der Löwen bestens geeignet zu sein. Wir schlafen in unserem zentral gelegenen Hostel nicht in Doppelstockbetten oder auf dünnen Matratzen, die schon das Muster des darunter liegenden Bettenrostes angenommen haben. Unser Nachtlager ist hipp (zumindest wenn ich feststelle, wie schwer es ist, dort eine Unterkunft zu bekommen) und gleichzeitig platzsparend. In einer futuristischen Raumkapsel mit vielleicht zweieinhalb Quadratmetern Grundfläche befindet sich ein Bett mit einem Mikroschrank. Es gibt Dimmerlicht, ein Spiegel, einen kleinen Flachbildfernseher, mehrere USB-und Steckdosenanschlüssen für Smartphones, Notebooks und alles was ein „New Worker“ heute so braucht. Wohlwollend betrachtet ähnelt es einer Bienenwabe. Bei trübem Gemütszustand könnte es auch Erinnerungen an einen Sarg mit Einstieg am Fussende wecken. Ich schlafe erstaunlich gut darin. Die Reduzierung auf das Wesentliche gefällt mir, jedoch nicht die Vorstellung, mich dort permanent zur Nachtruhe begeben zu müssen. Jana kannte die Kapselhotels schon aus Japan. Ich habe wieder etwas zum ersten Mal gemacht. Allerdings darf diese Erfahrung gern ein Einzelfall bleiben.

Eines der vielen Highlights, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen, ist das etwa 100 Hektar grosse Parkgelände „Gardens by the Bay“, das auf künstlich aufgeschüttetem Land angelegt wurde. Damit wird die Strategie verfolgt, Singapurs Lebensqualität zu verbessern, in dem viel neuer Raum für Grünes geschaffen wird. Dieser Prozess begann vor ungefähr 15 Jahren und ist zu etwa 80 Prozent abgeschlossen. Der letzte Bauabschnitt soll in etwa zwei Jahren fertiggestellt sein.

Markant sind die sogenannten Supertrees, Stahlgestelle in Form von Bäumen, die von innen und aussen begrünt sind und am Abend zu klassischer oder Popmusik ein Feuerwerk an bunten Lichtern versprühen. Spannend ist, das diese Bäume über einen Lift „erklommen“ und dadurch quasi auf Höhe der Baumkronen mit einer Brücke verbunden und somit begehbar sind. Von hier haben wir einen guten Überblick über den Park. 

Auf dem Gelände befindet sich auch der Flower Dome sowie der Floral Garden. Beide geben mir das Gefühl, mich wie unter einer riesigen Glasglocke auf einem fremden Planeten zu befinden. Hier wurde ein Miniaturökosystem nachgebaut. Ich sehe Wasserfälle, kleine Flüsse, Nebel, Bäume und ein üppiges Spektrum verschiedener Pflanzen.

Auch ausserhalb des Parkgeländes erblicke ich häufiger hochwertige Bürotürme oder Luxushotels, deren Fassaden begrünt oder auf verschiedenen Etagen mit Palmen, Laubbäumen oder hochwachsenden Farnen bepflanzt sind. Der frischfreche Graubeton ist natürlich noch immer dominant im Stadtbild. Trotzdem gefällt mir die Vision der Stadtregierung und die ersten sichtbaren Ergebnisse. Es gibt viele mögliche Antworten auf die Frage: Wie fühlen sich Menschen auch in Zukunft in Städten wohl? Mir hat nicht alles gefallen, was ich hier gesehen habe, aber es wurde viel Zählbares in relativ kurzer Zeit für die Menschen erreicht. Etwas mehr von dieser Umsetzungsgeschwindigkeit wünsche ich mir für Zuhause. 

Das ArtScience-Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Mir gefallen neben der an eine Lotusblume erinnernden Architektur auch die Angebote an verschiedenen Ausstellungen gut. Es gibt dort unter anderem die Möglichkeit, unterschiedliche visuelle Darstellungen durch aktive Teilnahme mit zu gestalten. Es handelt sich dabei um verschiedene Licht- und Lasereffekte. Ich geniesse den kurzweiligen Aufenthalt dort wie ein Kind, das sich über eine bunte Raupe auf einem feuchten Grashalm freut.

Singapur wird auch als Tor nach Asien bezeichnet. Es wirkt sehr westlich mit den vielen Shoppingmalls (ich habe noch nie so viele Chanelgeschäfte wie dort gesehen / laut Googlemapps 15), der modernen, kostengünstigen öffentlichen Infrastruktur, den verschiedenen nebeneinander lebenden Religionen, Sprachen und Kulturen, der Vielfalt an kulinarischen Möglichkeiten sowie dem Freizeitangebot. Für uns ist es nach rund fünf Monaten Neuseeland, Tonga und Australien ein geschmeidiger Einstieg nach Asien, das wir voraussichtlich bis Jahresende bereisen werden.